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3/11/2015 - Interview with Ajay Rimal, Headmaster of the "Superb Catalyst Academy" in the village of Khanikhola.

 

AR: Ajay Rimal, headmaster of the school Superb Catalyst Academy.

MB: Maxence Banide, volunteer.

FD : Florence Ducler, volunteer.

 

MB - Hallo Ajay, kannst du uns bitte sagen wer du bist und wie du aufgewachsen bist?

 

AR - Mein Name ist Ajay und ich lebe in Khanikhola. Aufgewachsen bin ich mit 5 Geschwistern, 3 Schwestern und 2 Bruedern. Gluecklicherweise hatte ich die Gelegenheit eine der ersten Englischschulen des Dorfes zu besuchen, die mein Vater vor mehr als 30 Jahren errichtet hat. Nachher habe ich auf einer Schule der Regierung weitergelernt. Zu dieser Zeit befanden sich 124 Studenten, mit 6 verschiedenen Bildungsniveaus,  in einem Klassenzimmer. Die Schule habe ich nie wirklich geliebt, aber ich habe es immer genossen Lehrern zuzuhoeren, mehr Wissen zu sammeln und meine Interessensgebiete weiter zu erforschen. Nach dem Abschluss ging ich nach Kathmandu um an der Thribunav Universitaet zu studieren. Diese Zeit war fuer mich extrem schwierig, da ich nicht nur die Universitaetsgebuehren sondern auch meine Unterkunft zu zahlen hatte. Auch meine Eltern konnten mir nicht helfen, und so blieb mir keine Wahl als die Universitaet abzubrechen. Ich entschloss mich mit meinem letzten Geld, 9 Euro, 1000 Ruppee, nach Indien zu gehen, wo ich 6 Monate davon leben konnte, auch wenn ich viele Naechte auf der Strasse verbracht habe.

 

 

MB - Hast du dein Studium in Kathmandu noch abgeschlossen?

 

AR - Ja, ich habe einen Master in Politikwissenschaft und bin gerade dabei einen Master in Englisch zu absolvieren. Zu der Zeit, ging es mir darum so schnell wie moeglich alles abzuschliessen, quasi "American Style", eine Party zu machen und schnell zu arbeiten. Heutzutage bin ich wieder sehr interessiert am Studieren und am Lernen.

 

MB - War das Treffen von fremden, internationalen Leuten fuer dich ein Kindheitstraum?

 

AR - Absolut. Seit ich 7 Jahre alt war hatte ich Interesse an den Reisenden die hier teilweise in Khanikhola am Weg waren um auf die Berge zu gehen. Ich traf damals 4 Oesterreicher die gutes Englisch sprachen, und obwohl mein Englisch sehr schwach war, konnte ich ihnen helfen eine Unterkunft fuer die Nacht zu finden.

 

MB -  Waren die anderen Kinder in deinem Alter auch so neugierig?

 

AR - Nein, nur ich. Ich bin sogar am naechsten Tag zum Hotel gegangen weil ich noch mehr mit den Reisenden sprechen wollte. Sie haben mir einen Tee angeboten und ich war sehr ueberrascht als sie mir 100 Ruppee als kleine Geste ueberreichten. Damals war das viel Geld. Mit den 100 Ruppee bin ich per Truck mit einem Freund zum ersten Mal nach Kathmandu gefahren und alleine durch die Stadt spaziert, ohne Eltern. In der Stadt haben wir uns dann irgendwie in ein Kino gemogelt und zum ersten Mal auf einer Leinwand einen indischen Film gesehen. Ein Jahr spaeter schrieb ich den 4 Oesterreichern eine Nachricht, ihre Adresse hatten sie mir damals gegeben. 2 Jahre spaeter erhielt ich eine Antwort und 50 Dollar, also 3500 Ruppee. Ich war ausser mir vor Freude. Ich konnte mir alle Schulbuecher und meine Schulausbildung damit finanzieren.

 

MB - Lass uns ueber deine Karriere als Direktor an der Schule reden; wie kam es dazu?

 

AR - Meine erste Motivation war es in die Fusstapfen meines Vaters zu treten, denn auch er war Direktor an einer Schule in Khanikhola. Unsere Schule "Superb Catalyst Academy" befindet sich auch am selben Standort an dem mein Vater seine Schule hatte. Leider verstarb mein Vater im Buergerkrieg von Nepal. Sein letzter Wille war es, dass die Kinder, unabhaengig von Kultur, Religion oder Herkunft, eine gute Bildung geniessen koennen. Ich bin sehr stolz und gluecklich das ich die Vision meines Vaters verwirklichen konnte, trotz all der Hindernisse und Probleme auf dem Weg. Die Schule wurde uebrigens 2007 von mir gegruendet. Noch immer stecke ich mein ganzes Herzblut in die Schule. Man koennte fast sagen das ich mich um die Schule genau so gut kuemmere wie um meine kleine 9-jaehrige Tochter Emi. Heutzutage bin ich sehr dankbar fuer wie sich alles hier entwickelt hat. Es waren bereits ueber 250 ehrenamtliche Mitarbeiter und Volunteers bei uns und alle haben dazu beigetragen das diese Schule heute das ist was sie ist.

 

FD - Kannst du uns darueber erzaehlen welche Mittel und Moeglichkeiten du 2007 hattest um die Schule zu gruenden?

 

AR - Damals unterrichtete ich ICT und Englisch im "Catalyst Institute", das 2005 von jungen Menschen aus der Umgebung ins Leben gerufen wurde. Durch diesen Job war es mir moeglich 1000 US-Dollar zu sparen. Auch die nahe Verwandtschaft von meiner Frau Bina hat uns damals 4000 US-Dollar geborgt. Mit diesem Geld habe ich die Schule gegruendet. 7 Jahre spaeter konnte ich das Geld noch immer nicht abzahlen, und ich konnte nicht nach noch mehr finanzieller Unterstuetzung anfragen.

 

FD - Wie hast du dann die Schule weiter erhalten

 

AR - Dank interner Resourcen (die Schulbeitraege der Kinder deren Familien es sich leisten koennen) konnte die Schule weiterhin erhalten werden. Circa 180 Studenten haben 800 Ruppees im Monat (8 US-Dollar) bezahlt. Dennoch ist und bleibt die Schule fuer alle Kinder, auch wenn sie keine finanziellen Mittel haben, zugaenglich, frei von Kultur, Religion und Herkunft. Auch die Volunteers helfen sehr dabei die Schule am Leben zu halten. In den letzten 4 Jahren haben wir mehr als 250 Volunteers willkommen geheissen. Alle haben ihren Beitrag dabei geleistet, sei es beim Errichten von Klassenzimmern oder beim Unterrichten von Schuelern. Die Kinder die aus besonders kritischen Situationen kommen, werden ausserdem von grosszuegigen Spenden von Menschen im Ausland unterstuetzt. Durch die Volunteers konnte wir auch die ein oder andere "Fundraising" Seite errichten, insgesamt haben wir dabei schon 6000 US-Dollar sammeln koennen.

 

MB - Sind die Resultate der Schueler gut?

AR - 100% unserer Schueler die Klasse 10 erreichen, nehmen an "Superior Studies" seit bereits ueber 5 Jahren teil. Der Leistungsdurchschnitt ist wirklich gut und die Schueler die ihre Ausbildung in der "Superb Catalyst Academy" geniessen, sprechen alle gutes Englisch.

 

MB - Welche Projekte stehen in der nahen Zukunft an?

AR - Unser Hauptziel ist es das Unterrichts-Niveau in Mathematik und Englisch weiter zu verbessern, allerdings haben wir auch ein anderes Projekt ins Leben gerufen namens "The Great Mother Project" (Die grosse Mutter). Die Mission dieser Idee ist es die Muetter der Schueler (die keinen Ehemann haben oder unter familiaeren Problemen leiden und die sich nicht selbstaendig weiter versorgen koennen) zu unterstuetzten und um ihnen somit mehr Zeit fuer die Erziehung ihrer Kinder zu geben. In Nepal existieren immer noch sehr viele Probleme wie haeusliche Gewalt und Zwangsheirat. Derzeit sind 14 Frauen in dem Projekt integriert. Sie lernen hier wie man sich selber versorgt, wie man die Hausarbeit erledigen kann und wie man sich trotzdem um die Kinder kuemmern kann. Wir helfen ihnen auch mit ihrer Farm oder mit ihren taeglichen Arbeiten und zeigen ihnen Methoden wie man schneller und besser vorankommt.

Ein weiteres Projekt hat den Namen "Promanent Welfair Society Nepal". Es ist eine Non Profit Organisation die den Menschen in der Umgebung dabei hilft gewisse Themen wie Erziehung, Gerechtigkeit und Umwelt besser zu verstehen. Wir sammeln zum Beispiel Plastikmuell um ihn zu recyclen oder um neue, brauchbare Objekte fuer den alltaeglichen Gebrauch zu erzeugen. Dadurch verhindern wir das Verbrennen von Plastik, so wie das normalerweise hier gemacht wird. In einem weiteren Projekt namens "Aquaponic" geht es darum, dass wir aus altem Toilettenpapier - mit Hilfe von modernen Technologien - Gas herstellen wollen.

 

Unser Zuhause, Global Home, wo die Volunteers, meine Frau Bina, meine Tochter Emi und Ich leben, ist ein weiteres Projekt. Es wurde von den grosszuegigen Spenden von Volunteers errichtet. Das naechste Projekt das gerade in Arbeit ist, nennt sich "Superb Catalyst Trekking and Tour Agency". Es handelt sich dabei, wie sich am Namen unschwer erkennen laesst, um eine Trekking Agentur dessen Gewinne zu 100% in die Schule einfliessen.

 

Das letzte Projekt das ich erwaehnen moechte, nennt sich "Earth Bag". Hierbei geht es darum erdbebensichere Gebaeude zu bauen, um den Kindern eine absolute Sicherung Umgebung zu garantieren. Das Errichten dieser Gebaeude, sogenannten "Earth Bags" kostet uns circa 7000 US Dollar, ein Betrag der fuer uns unbezahlbar ist. Des weiteren wollen wir den Menschen in der Umgebung beibringen, wie man erdbebensichere Gebaeude errichtet um weitere Leiden und Verluste in der Zukunft zu vermeiden.

 

MB - Was ist ein "Earth-Bag"? Aus was wird es gebaut?

AR - "Earth Bag" ist eine Struktur die aus zusammengepresster Erde und aus Eisen besteht. Die Endform wird mit Zement uebergossen. Dadurch koennen wir Waende und Gebaeude errichten die uns vor den Erdbeben schuetzen.

 

MB - Wie viel Geld wuerdest du idealerweise benoetigen um all diese Projekte zu verwirklichen?

AR - Derzeit geht es vor allem um die Errichtung der 5 erdbebensicheren Klassenzimmer, dass heisst es werden insgesamt 7000 US Dollar pro Gebaeude benoetigt (inklusive der Arbeitskraefte die fuer die Errichtung notwendig sind).

 

FD - Kannst du uns eine Auflistung geben von den Kosten die fuer die Schule anfallen?

AR - Rente: 2200 US Dollar pro Jahr

Lohn der Lehrer: 1500 US Dollar pro Monat

Bus (Benzin und Fahrer): 500 US Dollar per Monat

Administration: 500 US Dollar per Monat

 Meine Frau und ich verzichten komplett auf jegliche Einnahmen.

 

MB - Welche Probleme sind aufgetreten aufgrund von finanziellen Engpaessen?

AR - Vor einem Jahr, Ende April 2015, als die Schule sich noch 4km vom jetzigen Standort befand, wurde die Miete ploetzlich von circa 100 US Dollar auf 350 US Dollar erhoeht. Wir konnten uns dadurch den Platz nicht mehr leisten. Zum Glueck fanden wir den derzeitigen Standort, der auch fuenfmal mehr Raum bietet als die vorherige Schule, fuer das selbe Geld (350 US Dollar pro Jahr).

 

MB - Wie findest du immer noch Kraft und Motivation all das zu machen?

AR - Ich habe einen tiefen Glauben an 3 Dinge: In das Erschaffen und Schoepfen, in die Erhaltung und in die Zerstoerung. Das ist meiner Meinung nach der wahre Zyklus des Lebens und ein jeder muss diesen Zyklus akzeptieren und verstehen lernen. Ich toleriere alles und jeden, da alles einen Grund, eine Zeit und eine Berechtigung hat. 

 

MB - Du hast uns vom letzten Willen deines Vaters erzaehlt. Was waere dein letzter Wille?

AR - Mein einziger Traum ist es, weiterhin im Feld Erziehung und Bildung taetig zu sein und zu sehen wie die Akademie sich weiterentwickelt, vielleicht sogar durch Freundschaften, Sponsoren und Investoren. Ich bin fuer alles offen.

 

MB / FD - Wir danken dir fuer das Gespraech Ajay.

AR - Ich danke euch das ihr euch die Zeit genommen habt. Zur Zeit kuemmern Bina und Ich uns um 300 Schueler und um die gesamte Organisation der Schule.